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Trip Report: Oracle Open World, London 17.1.2019

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29.01.2019

Trip Report: Oracle Open World, London 17.1.2019

Die Oracle Open World (OOW) wird in diesem Jahr erstmals auch in Europa (London), im Mittleren Osten und Asien angeboten, da die OOW im Herbst in San Francisco als zentrale jährliche Kundenveranstaltung mit inzwischen über 60.000 Besuchern aus allen Nähten platzt. Auf der OOW London am 17.1. waren die dominierenden Themen Cloud-Angebote für Datenbank und ERP-Systeme und die Anreize Kunden zu einer Transformation zu den Cloud-basierten Applikationen zu bewegen. Zu den Bonbons für eine Cloud-Entscheidung des aus Anbietersicht diesbezüglich scheinbar zu zurückhaltendem Publikums gehören hier „Bring your own licence“, also die Übertragung vorhandener Lizenzen auf ein Cloud-Angebot für eine kleine Zusatzgebühr, sowie unlimitierte Lizenzen, die von Oracle in der Cloud betrieben werden. Die Anzahl an Nutzern verliert in der Cloud-Welt ohnehin an Wert als Metrik und wird ersetzt durch den Verbrauch der Cloud-Services wie Rechenleistung, Speicher, etc. als wesentliche Abrechnungseinheit.

KI- und Analytics-Strategie

Neben Cloud darf natürlich Künstliche Intelligenz nicht fehlen. Oracle propagiert hier drei Stoßrichtungen in seinem Angebot:

  • Die „Autonomous Database“ und „Autonomous Data Warehouse“, bei denen die künstliche Intelligenz vor allem Administrationsfunktionen wie die Erstellung von Indexen und Datenbankparametern automatisiert. Autonomous Data Wareshouse wird seit einigen Monaten angeboten und wurde laut Oracle bereits von mehreren tausend Interessenten ausprobiert. Das ist eine recht zurückhaltende Ankündigung, wir dürfen also gespannt sein, wie viele Interessenten in der nächsten Zeit dann auch zu Kunden werden.  
  • Durch die Akquisition des Anbieters DataScience.com ist eine Plattform zur Entwicklung von AI Anwendungen ins Oracle Portfolio gekommen. 
  • Die Initiative „Adaptive Intelligence“ bettet AI in alle Oracle Applikationen ein. Hier wurden einige interessante funktionale Ergänzungen für operative Anwendungen gezeigt, z.B. „Intelligent Payment Discounts”, bei der in der Kreditorenbuchhaltung automatisch auf Basis interner und externer Daten Skontovorschläge an Lieferanten generiert werden. Alle ergänzenden AI-Applikationen teilen sich ein Datenmodell, was einen Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Unternehmensbereichen vereinfacht. Die Einbettung von AI-Funktionen erfolgt natürlich auch in EPM- und BI/Analytics Anwendungen, z.B. für Vorschläge bei der Data Preparation oder zur Erläuterung von Metriken. 

Während ERP-Themen und Corporate (Enterprise) Performance Management mit zahlreichen Beiträgen z.B. zur EPM Cloud recht sichtbar auf der Veranstaltung war, stand BI/Analytics nicht stark im Vordergrund. In der Oracle Organisation gab es auf Managementpositionen für BI/Analytics einige Neuzugänge, z.B. von Microsoft. Vielleicht sortiert man sich hier noch etwas.
 
Deutlich wurde, dass das Oracle BI/Analytics Geschäft weiterhin auf zwei ungefähr gleichgewichteten Beinen steht: Einerseits die Ergänzung der zahlreichen operativen/transaktionalen Applikationen im Oracle Portfolio. Hier zeigte Oracle vor allem die oben erwähnten neuen Möglichkeiten durch Advanced Analytics/Machine Learning, um Prozesse stärker durch Modelle zu steuern oder zu automatisieren („Adaptive Intelligence“). 

Andererseits verfolgt Oracle auch weiterhin die unabhängige Positionierung von Analytics als eigenständige Lösungen. Gerade um sich zu den starken Marktbegleitern Microsoft, Tableau oder Qlik zu differenzieren, stellt Oracle seine „Enterprise“ Features heraus, also vor allem Skalierbarkeit, Sicherheit, Verfügbarkeit und ähnliches. Als leider nicht namentlich benannter Leuchtturm-Kunde mit 70.000 Anwendern in einer Cloud-BI Lösung – vermutlich die größte Cloud BI Installation weltweit – wurde hier ein europäischer Kunde aus dem öffentlichen Sektor ins Feld geführt.

Funktional gut gemacht ist die Mobile BI-Applikation von Oracle, da sie nicht versucht eine Web-Anwendung auf einen anderen Form-Faktor zu bringen, sondern sowohl von Nutzerinteraktion als auch Ausgabeformen komplett neu und eigenständig aufgebaut wurde. So werden typische Möglichkeiten mobiler Geräte wie die Nutzung von Geo-Lokation, Sprachinteraktion und ähnliches direkt einbezogen und genutzt. Diese Art von Innovation ist aus unserer Sicht zukunftsweisend und wir sind gespannt, wie das neue Analytics-Management bei Oracle die Produktpalette in diesem weiterhin sehr wettbewerbsintensiven Markt weiterentwickeln wird.