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Trip Report Celonis Celosphere

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11.04.2019

Trip Report Celonis Celosphere

Celonis ist ein Anbieter von Process Mining Software. Hierbei werden Prozessdaten (oft in Form von Logdaten) aus Quellsystemen (vorwiegend ERP-Systeme, jedoch auch CRM- und Webshop-Systeme) ausgelesen und aufbereitet um sie schließlich zu analysieren. Gegenstand der Analyse ist üblicherweise sowohl Struktur als auch Ablauf von Prozessen, um sich über die unterschiedlichen Varianten, wie ein Prozess tatsächlich im Tagesgeschäft gelebt wird bewusst zu werden und Optimierungspotential zu erkennen, sowie den Erfolg von Verbesserungsinitiativen zu verfolgen. Wichtig dabei ist, dass „Process Mining“ nicht unmittelbar etwas mit „Data Mining“ zu tun hat. Nutzt „Data Mining“ statistisch-mathematische Modelle wie Ähnlichkeitsanalysen und Regressionen, so visualisiert klassisches Process Mining nur bestehende Informationen und kommt dabei mit den Grundrechenarten aus. Der technische Aufwand steckt wie so oft eher in der Datenaufbereitung. 

Celonis wurde 2011 in München gegründet und verfügt heute neben einem zusätzlichen Hauptsitz in New York über weitere Standorte in den USA, UK und den Niederlanden. Zählte Celonis 2014/2015 noch 30 Mitarbeiter, so ist diese Zahl mittlerweile auf 700 gestiegen. Auch die Bewertung stieg vor einiger Zeit auf über 1 Mrd. $ an. Celonis ist eine der wenigen jungen deutschen Technologiefirmen, die es in diesen exklusiven Club der „Unicorns“ geschafft haben.



Abbildung 1 Das Gründertrio von Celonis präsentiert den Produktfortschritt

Auch Celonis investiert insbesondere in die Cloud-Variante seiner Lösung in Form des Produkts „Intelligent Business Cloud“ (IBC), welche gegenüber der on-premise-Variante neue Funktionen schneller zur Verfügung stellt.

IBC bietet auch die Möglichkeiten, via eines App Stores vorgefertigte Anwendungen von Dienstleistern und Partnern zu nutzen. Erste Anbieter solcher Apps berichteten, dass diese natürlich je nach Customizing-Grad der Vorsysteme angepasst werden müssen, sich jedoch recht gut als Template eignen können um mit bestimmten bzw. häufigen Process-Mining-Anwendungsfälle zu starten.

Teil der Key Note war auch ein Vortrag von Klaus Straub, CIO der BMW Group. Er stellte heraus, dass BMW auf die dynamischen Anforderungen im Marktbegleiter- und Kundenumfeld reagieren muss und daher auf neue Organisationskonzepte umstellt. Process Mining ermöglicht es dabei, die Produkte und Services der IT-Organisation zu verbessern. 
 


Abbildung 2 BMW – Optimierungsbereiche durch Process Mining 

Alexander Rinke, Co-CEO und Mitgründer von Celonis gab zudem einen Ausblick, wie sich Process Mining entwickeln wird. Demnach erleben wir aktuell eine Zeit der Disruption, eine Zeit in der sich Dinge so schnell wie nie zuvor ändern. Die zwei Haupttreiber dabei sind zum einen der „Millennial Customer“ – Kunden sind es heute durch ihre Erfahrung mit Amazon, Google, Netflix und Uber gewohnt, einen hervorragenden und unmittelbaren Service zu erleben. Zum anderen stehen Unternehmen vor großen Produktivitätsherausforderungen: Entwickelte Unternehmen erreichen heute nur noch eine jährliche Produktivitätssteigerung um 1 %. Der Grund dafür, dass sowohl die „Millennial Customers“ nicht im erforderlichen Maße bedient werden können als auch die Produktivität nicht wesentlich gesteigert werden kann, liegt aus seiner Sicht in „Operational Friction“, also Reibungen bzw. Reibungsverlusten im Tagesgeschäft.

Damit Unternehmen ihre Operational Friction reduzieren, stellt Celonis die Vision des „Superfluid Enterprises“ vor, welches im Wesentlichen auf drei Kernaspekten beruht:

  • Automatisierte, sich selbst-weiterentwickelnde operative Prozesse 
  • Einfacher Einblick in die Effekte von Handlungen
  • Bottom-up-getriebene Transformation 

Wil van der Aalst, Professor an der RWTH Aachen und einer der wichtigsten Vordenker im Bereich Process Mining wagte auch einen Blick in die Zukunft und stellte Punkte auf, wie Process Mining zukünftig Prozesse verbessern kann:

  • Process Mining wird sich nicht nur mit vergangenen und aktuellen Sachverhalten beschäftigen, sondern auch bei Fragestellungen, welche die Zukunft betreffen unterstützen
  • Die aktuell in den Softwareprodukten getrennten Module für Prozess Discovery und Conformance Checking werden miteinander integriert werden
  • Mehr Unterstützung von vergleichendem Process Mining (was ist der Unterschied zwischen Januar und Februar und worin liegen die Gründe; warum ist Geschäftsbereich A erfolgreicher als Geschäftsbereich B) 
  • Bessere Unterstützung zum Aufdecken von Kausalitäten für die Empfehlung von Optimierungen
  • Erkenntnisse aus Process Mining sollten in einer tatsächlichen Anwendung münden (z.B. durch die Anbindung an eine Robotic-Process-Automation-Lösung)
  • Verantwortliche Nutzung der Daten (Fairness und Vertraulichkeit)

Die wesentlichen heutigen Hemmnisse für erfolgreiches Process Mining sind aus seiner Sicht noch immer: 

  • Unwissenheit, fehlendes Training und die Vermeidung von Transparenz auf der Seite der Mitarbeiter,
  • sowie unzureichende Datenqualität und Datenmanagement auf der Daten-Seite.

Die Tagung adressierte nicht nur Konzepte, Anwendungsfälle und Best Practices der Disziplin Process Mining, sondern auch Robotic Process Automation (RPA). Hierbei können „Bots“ – also Software – darauf eingestellt werden, bestimmte Aufgaben in einem Geschäftsprozess zu erfüllen. Beispielsweise können solche Programme frei verfügbare Informationen aus Social-Media-Plattformen wie Xing oder Linkedin lesen und in Excel-Dateien eintragen. BMW nannte das Beispiel, dass US-Leasing-Gesellschaften, die Strafzettel bezüglich ihrer verleasten Fahrzeuge erhalten, diese mittels Bot-Technologien effizient verarbeiten. Die Beziehung von Process Mining und RPA geht dabei in beide Richtungen. Einerseits kann Process Mining genutzt werden, um den Ablauf von RPA-Prozessen zu visualisieren und zu analysieren. Umgekehrt kann RPA Software auch genutzt werden, um die Operationalisierung von erkannten Prozessfehlern oder Ineffizienzen umzusetzen („Insight to action“), indem ein entsprechender Prozess gestartet wird. 

Celonis kann als Indikator gesehen werden, wie es um die Bedeutung von Process Mining steht. Die „Celosphere“ war die erste Celonis Kundenkonferenz und konnte bereits über 1000 Teilnehmer für sich gewinnen. Und auch wir verzeichnen aktuell ein steigendes Interesse an Process Mining: Neben etablierten Anbietern wie Kofax, ProcessGold oder Software AG, kamen in den letzten Jahren vermehrt neue Anbieter mit innovativen Lösungen auf den Markt wie Mehrwerk (2008), PAFnow (2014) oder Lana Labs (2016). Für „Process Mining“ ist nicht der US-amerikanische Markt mit seinen Technologie- und Anwenderunternehmen der wesentliche Treiber, sondern tatsächlich Europa. Möglicherweise liegt es den Europäern einfach eher, bestehendes zu analysieren, sicher bei Entscheidungen zu agieren und zielführend zu optimieren, als sich mittels Big-Data- und AI-Initiativen in eher ungewisse Gefilde zu begeben. Beides ist wichtig – Innovation und Optimierung – und profitiert voneinander.

Auch unsere diesjährige Digital Finance & Controlling Tagung legt einen Schwerpunkt auf Operational Process Automation bei der Process Mining eine wichtige Rolle spielt. Neben Vorträgen zu Best Practices und Kundenerfahrungen präsentiert BARC zudem seine neuesten Softwareübersichten und stellt den neuen BARC Score Robotic Process Automation vor.