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Non-SAP-Frontends in SAP-Umgebungen – was sollten Kunden beachten?

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10.08.2020

Non-SAP-Frontends in SAP-Umgebungen – was sollten Kunden beachten?

Heutige BI- und Analytics-Landschaften sind so vielfältig wie die Anforderungen ihrer Nutzer. So existiert bei den meisten Kunden nicht die eine Datenquelle, die das Groß der Daten enthält. Sondern es haben sich im Laufe der vergangenen Jahre eine Reihe unterschiedlichster Plattformen für diverse analytische und operative Zwecke herausgebildet.

Diese Entwicklung gilt auch für SAP-Kunden, die häufig neben ihrem operativen System wie SAP ERP auch weitere Datenquellen besitzen und diese auswerten möchten.

Auch in Bezug auf die Frontend-Lösungen an sich hat sich die Landschaft bei den Unternehmen in den letzten Jahren gewandelt: Eine Standardsuite, die die meisten Anforderungen des Nutzerspektrums erfüllt, ist heute schwer durchsetzbar.

Dementsprechend gilt es stärker als zuvor die Frontends sorgfältig zu wählen, um eine Explosion möglicher BI- und Analytics-Lösungen zu verhindern. Dieser Blogbeitrag fokussiert sich auf die Drittanbieterlösungen in SAP-Systemlandschaften.

Auswahl von BI- und Analytics-Frontends ist von vielen Kriterien abhängig

BI- und Analytics-Frontends sind Werkzeuge, die direkt mit den Endanwendern in Berührung kommen. Sie decken in der Regel ein breites Funktionsspektrum ab, das sich von Berichtswesen, über Analyse bis hin zur Planung und Budgetierung erstrecken kann.

Der Markt für Frontends ist sehr groß und reicht von branchen- oder themenspezifischen bis hin zu generisch einsetzbaren Varianten. Auf dem deutschen Markt kennen wir mehr als 300 Anbieter mit fast 600 Werkzeugen (s. Abbildung 1).

Abbildung 1: BI-Software-Markt, Deutschland, Anzahl der Produkte und Anbieter
Abbildung 1: BI-Software-Markt, Deutschland, Anzahl der Produkte und Anbieter, Quelle: BARC Guide 2007-2019

Neben dem Themen- und Branchenfokus unterscheiden sich die Anbieter in einer Vielzahl von Kriterien. So verfügt jede Software über ihre eigene Architektur und wurde mit einem speziellen Kernfokus entworfen. Entsprechend ist nicht jede Lösung gleich gut in allen Anwendungsklassen wie Berichtswesen, Dashboards, Analyse etc. einsetzbar.

Neben der funktionalen Abdeckung spielt die Architektur und insbesondere die Unterstützung bestimmter Datenbanken eine wichtige Rolle. Viele Frontends greifen auf diverse Datenquellen zu, haben jedoch oft gewisse Präferenzen für den Datenzugriff wie bspw. nur relationale oder nur dimensionale Datenquellen.

Andere Lösungen sind auf ihre eigene Datenspeicherung optimiert und lassen sich nicht auf einem anderen Vorsystem ohne Datenreplikation einsetzen.

Unternehmen, die nach einer Softwarelösung suchen, sollten solche wichtigen Punkte neben ihren individuellen Anforderungen beachten. Zudem sollte auf Anwenderfreundlichkeit ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

Für Frontends, die in SAP-Umgebungen eingesetzt werden sollen, gelten die gleichen Auswahlkriterien. Auf die Ausrichtung der Frontends hinsichtlich der Datenquellen sollte jedoch ein spezielles Augenmerk gelegt werden.

Insbesondere im Umfeld der DWH-Applikationen SAP BW (auf Wartung) und SAP BW/4HANA sollten die Anwender die Schnittstellen zu der Applikation und ggf. fehlende Funktionen im Frontend prüfen. Die Empfehlungen für SAP-Plattformen hängen entsprechend von den jeweiligen Datenquellen ab, die nachfolgend kurz vorgestellt werden.

Wichtigste SAP-Plattformen im Überblick

Die wichtigste Business Software und damit potenzielle Plattformen zur Durchführung von Analytics seitens SAP sind in Tabelle 1 skizziert.

Art der Software Bezeichnung Kurzbeschreibung
Operative Software SAP S/4HANA, SAP SuccessFactors, SAP Fieldglass, SAP Concur, SAP C/4HANA etc. Diverse operative Transaktionssoftware der SAP, S/4HANA ist beispielsweise eine ERP-Software von SAP.
Datenspeicher/ Datenbank SAP HANA Plattform zur Verwaltung und Speicherung von Daten; kann für analytische Szenarien und zur Abbildung von Data Warehouses eingesetzt werden.
DWH-Applikation SAP BW/4HANA Applikation zur Erstellung eines Data Warehouse mit integrierter HANA-Plattform und SAP BW/4HANA-spezifischen Objekten.
DWH-Applikation SAP Data Warehouse Cloud (DWC) Neue cloudbasierte Applikation zur Erstellung eines Data Warehouse basierend auf SAP HANA Cloud Service

Tabelle 1: Ausgewählte Plattformen von SAP

Die operative Software von SAP verfügt über spezielle Schnittstellen, um die Daten für BI- und Analytics-Zwecke zu verwenden.

Insbesondere die ERP-Software von SAP ist sehr verbreitet und kann von vielen Drittanbietern abgefragt werden. Daneben haben sich einige Anbieter wie Every Angle oder KERN darauf spezialisiert, vordefinierte Inhalte für operative Auswertungen oder Planung im SAP-ERP-Umfeld anzubieten.

SAP HANA als zentrales Herzstück vieler Applikationen von SAP verfügt über relationale SQL- und multidimensionale MDX-Schnittstellen, um die Abfrage der Daten zu ermöglichen. Drittanbieter können sich für beide Arten der Schnittstellen zertifizieren lassen, wobei die meisten Drittanbieter auf relationale Schnittstellen zurückgreifen.

SAP BW/4HANA ist eine DWH-Applikation, die sowohl über relationale als auch über dimensionale Schnittstellen verfügt.

Allerdings wurde die Plattform ebenso mit einer proprietären Schnittstelle, sog. BICS, für die eigenen Frontends ausgestattet. Diese Schnittstelle ist exklusiv für SAP-Frontends wie bspw. SAP Lumira Designer oder SAP Analysis for Office reserviert und bietet Vorteile gegenüber Zugriffsmechanismen von Drittanbietern wie bessere Abfragegeschwindigkeit sowie die Möglichkeit zum Auslesen der BW-spezifischen Metadaten, wie Hierarchien oder Variablen.

Dementsprechend ist bei der Auswahl von Frontends für die SAP BW/4HANA-Plattform neben einer Zertifizierung für die Plattform auch auf die per se benachteiligten Drittanbieterschnittstellen und die Zugriffsauswirkungen auf das Drittanbieter-Frontend zu achten.

Neben den durch die Schnittstellen häufig nicht unterstützen BW-Spezifika ist zu beachten, welche Funktionen im Frontend durch den Zugriff auf die DWH-Applikation nicht verfügbar sind bzw. welche Workarounds der Hersteller ggf. anbietet.

Eine häufig fehlende Möglichkeit ist bspw. Data Preparation, also Funktionen, um Daten vor zu verarbeiten oder weitere Datenquellen als Fachanwender ad-hoc zu dem standardisierten Datenbestand hinzuzuspielen.

Solche fehlenden Funktionen sind häufig der Grund, weshalb sich viele Unternehmen entscheiden, die Daten aus der Applikation zu extrahieren und die notwendige Logik und Security, die bereits im BW- oder BW/4-System vorhanden ist, nachzubilden.

Daneben erfordert die Architektur der Drittanbieterlösungen eine Datenextraktion, und zwar dann, wenn ein Frontend eine obligatorische Datenhaltung voraussetzt. Das gilt für eigentlich alle Planungslösungen, aber auch für viele Dashboard-Lösungen.

Als Drittanbieter im SAP-BW-Umfeld sind viele BI-Hersteller aktiv. Die von den Kunden im letzten BI Survey genannten Lösungen sind Microsoft Power BI, Microsoft Excel, QlikView, Tableau, Qlik Sense, Longview Analytics, MicroStrategy, Board, IBM Cognos Analytics und Microsoft SQL Server Reporting Services (s. Abbildung 2).

Abbildung 2: Nutzung von Non-SAP-Werkzeugen auf der SAP BW Applikation
Abbildung 2: Nutzung von Non-SAP-Werkzeugen auf der SAP BW Applikation (SAP-Werkzeuge ausgeblendet), Quelle: BARC The BI Survey 19

SAP Data Warehouse Cloud ist die neue, cloudbasierte DWH-Applikation von SAP. Im Gegensatz zu SAP BW/4HANA wurde die Plattform in vielen Punkten offener gestaltet. Für Drittanbieter verfügt sie bspw. über SQL-Konnektoren (ODBC/JDBC) – eine multidimensionale Schnittstelle ist hingegen derzeit nicht vorgesehen. Ähnlich zu anderen SAP-Plattformen können Drittanbieter sich für den Zugriff zur DWC zertifizieren lassen.

Allerdings sind aufgrund des jungen Releasestandes derzeit nur Datenintegrationsanbieter als Partner bekannt. Hier bleibt es abzuwarten, welche Schnittstelle die eigenen Frontends, insbesondere SAP Analytics Cloud nutzen wird.

Bereits angedeutet wird es von der SAP, dass der Hersteller an einer engen Verbindung zwischen den beiden Lösungen arbeitet.

Empfehlungen für Ihr Projekt

Sollten Sie auf der Suche nach einem Werkzeug im SAP-Umfeld sein, sollten Sie folgende Punkte beachten:

1. Erheben, konsolidieren und gewichten Sie Ihre individuellen fachlich-funktionalen, technischen und organisatorischen Anforderungen an ein BI- und Analytics-Frontend.

2. Erstellen Sie eine Shortlist aus zu Ihren Anforderungen passenden Lösungen. Diese können entweder aus dem SAP-Portfolio stammen oder auch Lösungen von Drittanbietern sein, die sich in SAP-Umgebungen integrieren können.

3. Führen Sie eine vergleichende Evaluierung der Lösungen auf Basis Ihrer eigenen Daten durch (Proof of Concept), inkl. Zugriff auf das vorgesehene Vorsystem und festigen Sie so Ihre Entscheidung.

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