Business Application Research Center

Experten für Business Intelligence, Analytics, Big Data, CRM und ECM

BARC-Newsletter

MicroStrategy liefert mit Zero-Click Intelligence Antworten auf (noch) nicht gestellte Fragen

MicroStrategy liefert mit Zero-Click Intelligence Antworten auf (noch) nicht gestellte Fragen

RssRss

08.02.2019

MicroStrategy liefert mit Zero-Click Intelligence Antworten auf (noch) nicht gestellte Fragen

MicroStrategy, der Lieferant der gleichnamigen Enterprise BI und Analytics Plattform, hat Ende 2018 sein neustes Major-Release auf den Markt gebracht. Kunden und Partner konnten die Neuerungen auf der MicroStrategy World 2019 von 5.2 bis 6.2 2019 in Phoenix, USA kennenlernen. Laut eigenen Angaben flossen seit Version 10.4 rund 1.690 neue Features in dieses Release. Der Releasezyklus wurde auch wieder angepasst: Die Major-Releases sollen zukünftig jährlich erfolgen.

2018 war ein Jahr der Veränderungen bei MicroStrategy. Vor allem hat der Anbieter seine Positionierung und Roadmap geschärft. Dabei sollen drei Säulen das Angebot beschreiben: „Modern Analytics“, „Open Architecture“ und „Enterprise Platform“. Die erste Säule fokussiert die seitjeher bekannte Stärke der MicroStrategy-Plattform eine breite Anzahl an Anwendertypen mit Informationen und diversen analytischen Formaten wie Reports, Dashboards oder Dossiers zu beliefern. Modern bezieht sich vor allem auf das Angebot in den Bereichen Data Discovery, Self-Service BI sowie Advanced Analytics. In allen drei Bereichen hat der Hersteller neue Funktionen herausgebracht. Im Umfeld von Advanced Analytics wird neben bereits unterstützen Sprachen wie R oder Python seit 2019 auch DataRobot integriert. Offene Architektur ist zum Teil neu für den Hersteller. Die Plattform kann schon immer auf eine Vielzahl Datenquellen zugreifen und diese direkt abfragen, was MicroStrategy von Release zu Release um weitere Datenquellen erweitert. Neu ist jedoch der Zugriff von außen auf die semantische Schicht (Enterprise Semantic Graph), was bis MicroStrategy 2019 den eigenen Frontends vorbehalten blieb.

Mit MicroStrategy 2019 erlaubt der Anbieter den Zugriff über eine RESTAPI. Des Weiteren liefert MicroStrategy Konnektoren, mit denen Office 365, Qlik, Tableau und Microsoft Power BI auf die MicroStrategy Datasets und Reports zugreifen können. Für einen BI-Suite- bzw. Plattformanbieter ist diese Offenheit heute noch außergewöhnlich. Diese Entwicklung ist die Antwort auf die Realität, die auch wir bei vielen Kunden beobachten: Je größer das Unternehmen, desto mehr BI-Werkzeuge befinden sich im Einsatz. Mit dem Trend zu Self-Service und verstärkter Nutzung fachanwenderorientierter Werkzeuge wuchs deren Anzahl. Standardisierungsversuche in Unternehmen sind hier häufig von mäßigem Erfolg geprägt, da meist bereits Know-how und Berichtswesen aufgebaut wurde. Größte Herausforderung dieser Self-Service-Landschaften ist deren meist dezentrale Datenhaltung, die den Unternehmensstandards und Bestreben nach Governance von Kennzahlen i. d. R. widerspricht.

Es ist daher durchaus sinnvoll für einen Plattformhersteller den Zugriff auf die eigene semantische Daten-Schicht zuzulassen. Damit können Fachanwender die Werkzeuge ihrer Wahl nutzen, IT sorgt gleichzeitig für eine stabile und definierte Datenbasis, die dann sowohl für das Standardberichtswesen als auch für Self-Service-BI genutzt werden kann. Die dritte Säule von MicroStrategy 2019 betont den eigentlichen Fokus des Herstellers, der beibehalten und weiter optimiert wird: die Lieferung einer robusten Plattform, die eine Vielzahl an Nutzern und hohe Datenvolumina verarbeiten kann.

Die in 2018 über 1.000 vorgestellte Features verteilen sich auf allen drei Säulen. Die aus unserer Sicht interessantesten sind:

  • Ernennung von MicroStrategy Workstation als die zukünftige Entwicklungs- und Administrationsumgebung für die Plattform, die um Funktionalitäten der heute noch vorhandenen Einzeladministrationswerkzeuge erweitert wird, um eine einheitliche UI für die Nutzergruppe der Entwickler und Administratoren zu bieten
  • Überarbeitung des Designs von Applikationen mit der Möglichkeit deren Erscheinungsbild auf diversen Endgeräten und Formaten zu simulieren
  • Verbesserung im Bereich des hierarchischen Reportings auf den OLAP-Datenquellen Microsoft SQL Server Analysis Services und Oracle Essbase: Die Hierarchie im Datenmodell wird als eigenständiges Objekt behandelt und (endlich) entsprechend darstellt, statt jede Hierarchiestufe in einer eigenen Tabellenspalte anzuzeigen. Sehr schade für den DACH-Markt ist die Tatsache, dass diese Neuerung nicht für SAP BW & BW/4 Datenquellen gilt und es nicht klar ist, ob diese Datenquellen jemals unterstützt werden. An einer SAP HANA Unterstützung wird jedoch derzeit gearbeitet
  • Unterstützung von Microsoft Azure als Cloud-Plattform
  • Unterstützung von Mapbox für Geo-Analyse


Neben diesen und weiteren Features hat MicroStrategy mit dem neuen Major-Release eine Innovation namens HyperIntelligence vorgestellt. Hinter dem wenig sagenden Namen steckt die Bestrebung Entscheidungen, die im Sekunden-Bereich getroffen werden (sollen) mit Informationen zu unterstützen (operative BI) welches der Hersteller mit „Zero-Click Intelligence“ umschreibt. HyperIntelligence ist kein Feature oder Werkzeug, sondern vielmehr ein Konzept, das auf dem neuen Visualisierungsobjekt „HyperCard“ (s. Abbildung 1) basiert.


 
Abbildung 1: Beispiel einer HyperCard von MicroStrategy (Quelle: MicroStrategy)

Das Konzept dieser Karten sieht vor, dass die Antworten (Karten) die Anwender finden bevor sie die dazugehörige Frage gestellt haben. So hat der Hersteller beispielsweise Erweiterungen für Salesforce, Office 365 oder Google Chrome Browser herausgebracht. Diese bewirken, dass Anwender bei Mouse-over-Bewegung über einen Begriff im Texte (bspw. Kundenname) direkt die HyperCard mit dazugehörigen Informationen (bspw. gekaufte Produkte, Umsatz, offene Tasks usw.) angezeigt bekommen. Um im Kontext der operativen/embedded BI mit der HyperCard nicht nur Informationen zu liefern, soll „Action“ über auf den HyperCards integrierten Absprüngen in Vorsysteme zur Ausführung notwendiger Transaktionen umgesetzt werden. Technisch sind HyperCards keine „kleinen“ Dashboards, sondern neue, „dünne“ Objekte, die damit die notwendigen Antwortzeiten in diesem Sekunden-Szenario liefern sollen.

MicroStrategy HyperCards finden Eingang in eine Vielzahl von Technologien, die der „Hyper-Familie“ angehören. So liefert der Hersteller mit HyperMobile die Möglichkeit HyperCards auf mobilen Endgeräten anzuzeigen. Interessant wird die Verbindung durch native Funktionen wie Sprachverarbeitung, GPS/Ortung oder Kenntnis der kommenden Termine, die bspw. zum kommenden Termin mit einem Kunden dem Sales-Mitarbeiter direkt die notwendige HyperCard samt Link zum Absprung ins CRM-System präsentiert. Mit HyperVoice sollen die verbalen Spracheingaben (NLQ)mit einer Applikation und der Anzeige der zur gestellten Frage passenden HyperCard erfolgen. Mit HyperAPI können individuelle Hypercards für eigene Bedürfnisse entwickelt und in eigene Anwendungen integriert werden.

Neben den funktionalen Änderungen im Jahr 2018 hat MicroStrategy einige Veränderungen im Management vorgenommen. Die wichtigste Änderung ist die Berufung von Marge Breya zum neuen Chief Marketing Officer (CMO), die früher u. a. für Informatica und SAP BusinessObjectsgearbeitet hat. Ihre jahrelange Erfahrung im Analytics-Bereich wird sicherlich das Marketing bei MicroStrategy bereichern.

Aus Analystensicht lassen sich die Neuerungen bei MicroStrategy in 2018 grundsätzlich positiv bewerten. Die Management-Wechsel haben zur Fokussierung auf die eigenen Stärken und klareren Kommunikation im BI und Analytics Umfeld beigetragen. Die nächsten Jahre werden zeigen wie sich das auf die Unternehmensentwicklung auswirkt. Seit dem einschneidenden Jahr 2015, welches 1.947 Mitarbeiter im Vergleich zu 3.158 Mitarbeitern in 2013 zählte, hat MicroStrategy bis 2018 wieder 581 Mitarbeiter aufgebaut (Gesamt 2.528). Allerdings befinden sich die Einkünfte (Revenues) weiterhin auf sinkendem Niveau, wenn auch die Mietlizenzen (Subscriptions) leicht steigen. Der Jahresbericht für 2018 liegt allerdings noch nicht vor. Der Ausbau des Angebots zur Abdeckung weiterer analytischer Szenarien ist daher sinnvoll um auf dem eher gesättigten „Standard-BI-Markt“ zu überleben.