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Der Markt für Data & Analytics-Software – die Konsolidierungswelle rollt

Der Markt für Data & Analytics-Software – die Konsolidierungswelle rollt

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09.12.2021

Der Markt für Data & Analytics-Software – die Konsolidierungswelle rollt

Der Markt für Data & Analytics Software war in den letzten zwölf Monaten geprägt von sehr vielen Merger & Acquisitions sowie großen Finanzierungsrunden. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wird Software für Data & Analytics für Unternehmen immer wichtiger, was zu entsprechendem allgemeinen Marktwachstum führt.

Das Potenzial der professionellen, softwaregestützten Datenanalyse haben inzwischen die meisten erkannt und investieren entsprechend. Bestehende Anbieter machen in der Regel gute Geschäfte und haben die Mittel auch anorganisch zu wachsen.

Gleichzeitig gibt es ausreichend Platz für Innovationen, z. B. im Bereich der KI/Advanced Analytics, Data Governance oder der KI-gestützten Automatisierung und Operationalisierung von Data & Analytics, so dass viele neue Anbieter in den Markt kommen und teilweise stark wachsen können.

Ein weiterer Faktor ist, dass auf dem Finanzmarkt nach wie vor viel Geld für ein Investment in Unternehmen bereitsteht und immer mehr Investoren Anbieter von Data, Analytics und CPM Lösungen inzwischen als lohnende Ziele identifiziert haben. Außerdem agieren mehr als 300 Anbieter alleine im deutschen Markt, was auf gehöriges Konsolidierungspotenzial hindeutet. Die hohe Aktivität im Markt sollte also nicht überraschen.

Aktive Käufer

Aktuell gibt es einige besonders aktive Käufer im Markt. Die drei auffälligsten TIBCO, Qlik und insightsoftware, sind in der Hand von sehr großen Private Equity Firmen, welche die nötigen Mittel für die aggressiven Übernahmestrategien bereitstellen.

TIBCO hat vor einem Jahr das Analytics-Urgestein Information Builders gekauft und sich insgesamt neun Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren einverleibt, die insbesondere den Bereich BI und Analytics bei TIBCO auf- und ausgebaut haben.

Qlik setzt seine Strategie der funktionalen Zukäufe durch die Einverleibung kleiner Technologieunternehmen fort und hat in diesem Jahr unter anderem mit den Akquisitionen von Big Squid und Nodegraph Funktionalität in ihrem Produktportfolio ergänzt. Die zugekauften Produkte dienen oft als Add-ons zur QlikSoftware. Insgesamt hat Qlik zwölf Unternehmen in den letzten sechs Jahren hinzugekauft.

Insightsoftware wirbelt den Markt gehörig auf. Insgesamt haben sie 16 Zukäufe in den letzten sechs Jahren getätigt, davon allein sechs seit Januar 2021.

Neben der ursprünglichen Strategie Softwareanbieter mit Lösungen für den Finanzbereich in Unternehmen zu übernehmen, ist seit 2021 ein neuer Fokus auf Embedded Analytics dazugekommen, denn insightsoftware hat seit April drei Anbieter solcher Lösungen gekauft:

Logi Analytics, Izenda und Exago. Ganz aktuell (Oktober 2021) hat insightsoftware beim Zukauf von Magnitude eine größere Summe hingelegt: 477 Mio. USD.

Funktionslücken im Portfolio

Weiterhin versuchen Anbieter klassischer BI-Lösungen Software für Advanced Analytics oder Datenmanagement hinzuzukaufen, um End-to-End-Analyseplattformen aufzubauen. Qlik bleibt hierfür weiterhin das Paradebeispiel.

Aber auch andere Anbieter schließen mit Zukäufen Funktionslücken im eigenen Portfolio. Hierbei spielten in den letzten zwölf Monaten zum Beispiel Data Cataloging und Data Pipeling wichtige Rollen, denn viele Data- & Analytics-Softwareanbieter sahen die Notwendigkeit, solche Funktionen in ihre Produkte zu integrieren. Auch immer ausgereiftere Lösungen für Machine Learning und Künstliche Intelligenz sorgen für eine erhöhte Aktivität im Markt.

Investitionen

Noch 2019 betrug die Gesamtsumme der Investitionen in Data- & Analytics-Softwareanbieter in einem Quartal 275 Mio. USD (Q1 2019), die damals größte Investition waren 100 Mio. USD für den Data-Governance-Spezialisten Collibra.

Nur zwei Jahre später sind 100 Mio USD die Standardsumme bei Investitionen im Data & Analytics Markt, viele gehen weit darüber hinaus: An der Spitze der Geldempfänger steht aktuell unangefochten Databricks, die erstaunliche 3,5 Mrd. USD in kurzer Zeit einsammeln konnten.

Auch die deutsche Celonis (1,4 Mrd. USD) sowie DataRobot (1 Mrd. USD), insightsoftware (1 Mrd. USD), Fivetran (730 Mio. USD) und Thoughtspot (660 Mio. USD) sind weitere Unternehmen, die in den letzten Jahren erhebliche Investitionen anziehen konnten.

Weitere Treiber für Investitionen waren Anbieter von Corporate Performance Management Lösungen, die vermehrt Investoren für sich begeistern konnten. Beispiele sind OneStream Software, Vena, DataRails oder Fluence Technologies.

Ein Trend der vergangenen Jahre waren Unternehmenskäufe durch große internationale Unternehmen und Technologieriesen, die Analytics-Kompetenzen ergänzen wollten. Nachdem Google, Apple und Co. hier in den letzten Jahren einiges hinzugekauft haben, war es um die „Großen“ in den vergangenen zwölf Monaten recht ruhig geworden. Das kann sich jederzeit ändern.

Der AutoML-Markt

Machine Learning und Künstliche Intelligenz werden immer wichtiger und zu einem entscheidenden Technologietreiber bei Mergers & Acquistions. Automated Machine Learning (Auto ML) spielt hierfür eine Schlüsselrolle. Generell wird die Verfügbarkeit von einfach zu bedienenden AutoML-Lösungen in den großen BI- und Reporting-Plattformen die Marktakzeptanz von Machine Learning beschleunigen. Der AutoML-Markt teilt sich in drei Gruppen auf: OpenSource-Bibliotheken, Tech-Giganten und Startups:

  • Open-Source-Bibliotheken richten sich in der Regel an Spezialist:innen und erfordern tiefgreifendes Python- und R-Entwicklungs-Know-how. Beispiele: Auto-sklearn, Auto-Keras, Caret
  • Tech-Giganten wie Google sind wichtige Player im Markt für AutoML, alle haben inzwischen entsprechende Produkte im Angebot.
  • Start-ups, die mit viel Venturecapital ausgestattet sind, um Marktanteile zu erobern. DataRobot und H2O.ai sind gute Beispiele hierfür.

Weitere Konsolidierungen zu erwarten

Die starke Dynamik bei Mergers & Acquisitions und Investitionen im Markt für Data & Analytics Software wird vorerst wohl nicht abflachen. Es gibt weiterhin eine ungeheure Menge an Geld, das von Finanzinvestoren zur Verfügung gestellt wird. Rasante technologische Entwicklungen zwingen Anbieter außerdem dazu, ihre Portfolios ständig zu erweitern bzw. zu optimieren. Machine Learning & KI sind weitere Treiber.

Auch versuchen sich immer mehr Hersteller als allumfängliche Plattform-Anbieter zu positionieren. Die dafür fehlenden Funktionen im Portfolio werden zur Not dazugekauft. Aus diesen Gründen ist zu erwarten, dass in den nächsten Monaten und Jahren weitere beachtliche Transaktionen stattfinden werden.