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Datenhandelsplätze: Wissenstankstellen des 21. Jahrhunderts

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09.08.2018

Datenhandelsplätze: Wissenstankstellen des 21. Jahrhunderts

Unternehmen im Digitalisierungszeitalter erkennen, dass sie sowohl intern besser werden müssen und auch nach außen neue digitale Produkte und Services ihren Kunden anbieten sollten um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie investieren dabei in moderne Technologien für Datenmanagement, BI, Analytics und Data Science und in Personal. Daten selbst werden dabei natürlich zum immer wichtigeren Produktionsfaktor (neben Arbeit, Kapital und Boden). Das Interesse an frei verfügbaren oder auch zukaufbaren Daten steigt an. In unserer letzten Advanced-Analytics-Anwenderbefragung gaben fast die Hälfte der Unternehmen (44%) an, externe frei verfügbare Daten zu nutzen; fast ein Drittel (29%) kaufte externe Daten zu (vgl. Abbildung 1).

Die Verwendung externer Daten ist nun nicht grundsätzlich neu. Schon immer waren beispielsweise Marketing-Abteilungen auf aktuelle und vollständige Adressdaten ihrer Kunden angewiesen. Diese zu pflegen, ist eine zeitraubende Aufgabe und hält die Spezialisten von ihren Kernaufgaben ab. Abhilfe versprechen Adresshändler, die einen entsprechenden Service anbieten: Unternehmen wie die Deutsche Post mit ihrem Angebot „Postdirect“ oder Informatica mit den Services rund um „AddressDoctor“ bieten qualitätsgesicherte Adressdaten, welche sich auf unterschiedlichen technischen Wegen in die bestehende IT-Umgebung integrieren lassen, sodass die Marketingabteilung auf Grundlage richtiger Daten arbeiten und die richtigen Entscheidungen treffen kann. 
Doch mittlerweile gehen die Möglichkeiten zur Nutzung externer Daten wesentlich weiter wie die aktuell entstehenden Datenmärkte zeigen. Hierbei lassen sich verschiedene Ausprägungen unterscheiden:

  • Kommerzielle Daten-Märkte: Große Softwareanbieter – aktuell besonders auffällig Microsoft und Oracle – investieren massiv in den Ausbau entsprechender Plattformen. Auf diese können Kunden, Entwickler und Partner ihre Daten laden und entgeltlich anderen Marktteilnehmern zur Verfügung stellen. Diese Daten können sowohl direkt von diesen gesammelt worden sein oder es sind erhobene Maschinen- oder Wetterdaten. Zudem lässt sich auch softwarespezifische Logik veröffentlichen, also bestimmte aus Projekten entwickelte Konzepte, Logikmodule oder Applikationen. Derartige „App Stores“ werden auch zunehmend von kleineren Softwareanbietern ins Leben gerufen, um den Austausch mit den Kunden und den Austausch der Kunden untereinander anzuregen. Diese Weitergabe von Daten und Logik fördert die Weiterentwicklung von Software, Logik, Denkmustern und Ideen. Spezifischere Daten und Analysen können zudem erworben werden. Hier zeigt sich bereits eine Fülle von Anbietern am Markt, die bspw. Marktwissen anbieten wie statista oder GfK für ergänzende Daten zum Geo-Marketing. Die kanadische Plattform Quandl stellt finanzielle, wirtschaftliche und sonstige Daten von mehr als 500 datenliefernden Unternehmen zusammen und macht diese über eine API (z.B. für die direkte Nutzung in R-, Python- und Matlab-basierten Anwendungen) zugänglich. Kärcher hat zusammen mit den Datenservices von Vodafone Lösungen für Reinigungsfirmen entwickelt, damit diese ihr Personal und Equipment anhand von Besucherströmen (z.B. einer Shopping Mall) und des Wetters optimieren. 
  • Öffentliche Datenarchive: Wesentliches Zugpferd von Datenarchiven ist immer noch die Open-Data-Initiative: Ihre Verfechter treten für eine freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von zumeist durch öffentliche Institutionen erhobene Daten ein. Dieser Initiative ist beispielsweise zu verdanken, dass mehr und mehr von öffentlicher Seite gesammelte Daten, wie zum Beispiel deutsche demographische Daten, von einem Interessenten nicht mehr telefonisch angefordert und postalisch zugestellt werden, sondern vom öffentlichen Bereich in einer durch IT-Systeme direkt nutzbaren Form wie etwa als CSV-Datei, zur Verfügung stehen. Die Firma Greenspin nutzt die von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) kostenfrei zur Verfügung gestellten Satellitendaten des europäischen Weltraumprogramms COPERNICUS um Landwirten Informationen zur optimalen Bewirtschaftung ihrer Felder (z.B. Düngung, Bewässerung) zur Verfügung zu stellen.
  • Wissenschaftliche Daten-Verzeichnisse: Auch und vor allem im wissenschaftlichen Bereich ist die Erhebung von Daten sehr aufwändig. Für fortgeschrittene wissenschaftliche Aufgabenbereiche wie der Untersuchung biologischer Zusammenhänge im Gehirn überdenken Wissenschaftler daher momentan ihre Arbeitsweise. Dabei wird zum einen die Spezialisierung hinsichtlich Datenerhebung und zum anderen die Zusammenarbeit zwischen Experimentierlabor und dem Modellierer vorangetrieben. Gemein ist vielen Wissenschaftlern der Wunsch, sich teuer erhobene Forschungsdaten gegenseitig zur Verfügung zu stellen. So hat beispielsweise die „Nature“-Verlagsgruppe genau zu diesem Zweck das Magazin „Scientific Data“ geschaffen, welches neue verfügbare wissenschaftliche Daten aufführt, beschreibt und auch von ihrer Qualität her bewertet.

Datenmärkte werden künftig Informationen in verlässlicher, vollständiger und qualitätsgesicherter Form zu einem ansprechenden Preis anbieten, sodass Unternehmen bei geschickter Nutzung jenen Wissensvorsprung generieren, der heute in unserer Digitalisierungsgesellschaft gesucht und gefordert wird. Eine Sales-Abteilung – um beim Beispiel zu bleiben – wird zukünftig von verlässlicheren und genaueren Daten profitieren können, noch sichere Absatzprognosen erstellen und die richtigen Entscheidungen daraufhin treffen können. 

Lars Iffert, Analyst bei BARC im Bereich Datenmanagement & Advanced Analytics und Dr. Sebastian Derwisch, Data Scientist stellen die wichtigsten BARC-Erkenntnisse aus Projekten, Befragungen, Markt- & Produkt-Research konzentriert als interaktives Ganztages-Seminar Advanced und Predictive Analytics erfolgreich umsetzen: Use Cases, Technologie & Organisation am 19. September 2018 in Berlin zusammen.

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