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„Cloud BI bekommt nun die Aufmerksamkeit, die es verdient“

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11.11.2020

„Cloud BI bekommt nun die Aufmerksamkeit, die es verdient“

2.250 Anwender haben die Data, Business Intelligence & Analytics Trends für 2021 bewertet. Im Interview mit Regina Schmidt schätzt der Experte Dr. Carsten Bange die Ergebnisse des BARC Data, BI & Analytics Trendmonitors ein.


Der Vergleich der Platzierungen in den Ausgaben von 2017, 2018, 2019, 2020 und 2021, n = 2772/2770/2679/2865/2259, © BARC

2020 war ein Jahr voller Umwälzungen – natürlich auch im Business-Intelligence-Bereich. Doch die fünf Top-Trends für 2021 sind unverändert. Woran liegt das?

Carsten Bange: Business-Intelligence-Systeme haben eine zentrale Rolle gespielt, Entscheidungsträgern schnell transparent machen zu können, wo und wie sich die Pandemie-Situation auf ihr Geschäft auswirkt. Außerdem waren eine schnelle Anpassung von Szenarien und Forecasts gefragt sowie der Aufbau neuer Berichte und Dashboards mit neuen Inhalten. Hinter den fünf stärksten Trends stehen allesamt Themen, welche Unternehmen grundsätzlich in die Lage versetzen, datengetriebene Entscheidungen zu treffen. Das wurde 2020 wichtiger als je zuvor.

Verlässliche Daten hoher Qualität, die man mithilfe von Masterdatenmanagement und Initiativen zur Datenqualität erreicht (Platz 1), sind die Grundlage für alles. Die explorative Erforschung von Daten durch Data Discovery (Platz 2) und Self-Service BI (Platz 5) gehen Hand in Hand. Sie zeigen, dass wir Anwendern im Fachbereich die nötigen Mittel an die Hand geben müssen, Daten selbstständig analysieren können.

Es wird immer deutlicher, dass für eine datengetriebene Entscheidungsfindung auch die Unternehmenskultur dementsprechend ausgerichtet sein muss. Die Data-Driven Culture (Platz 3) hat viele Facetten: Das beginnt mit der Frage, warum und wie auf Basis von Daten und Fakten Entscheidungen getroffen werden. Dabei müssen alle Mitarbeiter in neue Prozesse oder Verhaltensweisen eingeführt werden.

Gute Beispiele lassen sich in der Data Governance (Platz 4) finden. Unsere Befragten zeigen hier, dass sie sich um die Datengrundlage sowie um Spielregeln kümmern möchten, wie mit Daten umzugehen ist. Die Top 5 der BI Trends 2021 ist somit in sich schlüssig und zeigt, dass Unternehmen derzeit noch Grundlegendes aufbauen und den Zugang zu Daten für mehr Mitarbeiter realisieren möchten – die derzeitige Lage verfestigt die Ergebnisse des letzten Trendmonitors.

In diesem Jahr hat BARC auch eine Umfrage zur COVID-19-Krise veröffentlicht. Gibt es Parallelen zum Trendmonitor?

Carsten Bange: Die COVID-Umfrage haben wir im April und Mai dieses Jahres mit 700 Befragten durchgeführt. Sie zeigte uns bereits im Sommer, dass Unternehmen auf die derzeitige Lage reagieren.

Zum einen zeigte die Studie, dass es Anwendern zunächst verstärkt um (Daten-)Grundlagen, Berichtswesen und Forecasting ging. Die Themen Advanced Analytics, Machine Learning und AI (Platz 11) wurden eher hintenangestellt. Der leichte Rückgang in diesem Trendmonitor passt also zu dieser Beobachtung. Interessant war noch die Frage nach den Versäumnissen, die dazu geführt haben, dass es Probleme gab die neuen Anforderungen in der COVID-Krise zu bewältigen. Auch hier wurde Datenqualität an erster Stelle genannt.

Die positive Nachricht aus der COVID-Studie wollte ich noch erwähnen: Drei von fünf Befragten erwarten, dass diese Krise dabei hilft, Ansehen und Bedeutung von Data & Analytics in Unternehmen deutlich zu steigern und die Transformation zum datengetriebenen Unternehmen zu beschleunigen.

In diesem Jahr ist das Thema „Cloud BI for data & analytics“ deutlich gestiegen – von Platz 14 auf 18.

Carsten Bange: Cloud BI ist kein neuer Trend. Doch in diesem Jahr sehen wir, dass er endlich bei den Anwendern angekommen ist. Wir denken, dass das mit der derzeitigen Coronakrise zusammenhängt.

Die Arbeit im Homeoffice wird derzeit stark in Politik & Gesellschaft diskutiert. Die Cloud spielt hierbei eine zentrale Rolle, da man so flexibel von zu Hause aus auf Anwendungen und Daten zugreifen kann. Cloud BI bekommt nun die Aufmerksamkeit, die es verdient.


BARC Data, BI & Analytics Trend Monitor 2021, n= 2,259

Der BARC Data, BI & Analytics Trendmonitor führt drei Neuzugänge an. Das Thema Alerting ist direkt in die Top 10 eingestiegen – was versteht man unter Alerting und wie lässt sich die hohe Platzierung erklären?

Carsten Bange: Alerting bezeichnet die aktive Benachrichtigung eines Anwenders über eine Veränderung – das kann z. B. das Über- bzw. Untertreffen eines Schwellenwerts für eine Kennzahl sein. Der Anwender definiert im Vorfeld, welche Zahlen oder Entwicklungen für ihn relevant sind. Daraufhin erhält man eine Push-Benachrichtigung, anstatt selbst aktiv im Dashboard nachzusehen (Pull).

Attention is the new oil: In einem BI-System werden sehr viele Daten in verschiedenen Berichten und Dashboards präsentiert und Anwender teilweise damit überfrachtet. Der aktive Hinweis auf das, was für Anwender wichtig ist oder woraus sie eine Handlung ableiten sollten, erachten die Befragten offensichtlich als hilfreich. Wir sehen, dass sich auch bei den Softwareanbietern in diesem Bereich viel bewegt.

Insgesamt ist der hohe Einstieg von Alerting eine auffällige Bewegung. Normalerweise beobachten wir beim Trendmonitor, dass neue Themen in ihrem ersten Jahr nicht besonders gut abschneiden.

BARC: Augmented Analytics und IoT Analytics sind auch diesjährige Neuzugänge. Was zeichnet diese Trendthemen aus?

Carsten Bange: Während IoT Data Analytics, also insbesondere die Auswertung von Sensordaten, ein Spezialthema für bestimmte Branchen und Anwender ist, erhält Augmented Analytics derzeit viel Aufmerksamkeit von Softwareherstellern für die Weiterentwicklung ihrer Produkte.

Es ist aber interessant zu beobachten, dass dieser Trend noch nicht bei Anwendern angekommen zu sein scheint.

Bei Augmented Analytics gibt die Software dem Anwender Ratschläge, was er tun könnte, oder Hinweise auf interessante Datenkonstellationen und Entwicklungen. Das ist eine der Umsetzungsformen von Künstlicher Intelligenz in einer Software – unter einem neuen Begriff. Ich glaube, dass für diesen Trend ein Verständnis geschaffen werden muss und bin daher gespannt, wie sich dieses Thema in den nächsten Jahren entwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Zur Infografik des Data, BI & Analytics Trend Monitor 2021

Zum Download des Data, BI and Analytics Trend Monitor 2021