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„BI ist zurück und KI musste kurz verschnaufen“.

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09.12.2021

„BI ist zurück und KI musste kurz verschnaufen“.

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf die Entwicklung von Data- und Analytics in Unternehmen? BARC hat hierzu rund 950 Fachkräfte befragt. Im Interview ordnet der BARC-Geschäftsführer und renommierte Experte Dr. Carsten Bange die Ergebnisse des BARC Covid Survey 21 ein.

Zum Erhebungszeitpunkt des BARC COVID Survey – zwischen März und Mai 2021 – lagen bereits 12 Monate Pandemie hinter uns und den Befragten. Welche Investitionen wurden in dieser Zeit im Data- & Analytics-Bereich getätigt?

Carsten Bange: Die meisten Investitionen wurden im Business-Intelligence-Bereich getätigt, was ich sehr spannend finde. Vor der Pandemie galt BI als der „schlafende Riese“ – Unternehmen wussten, sie brauchten es, doch sie legten ihr Augenmerk auf Data Science und Advanced Analytics, da sie sich von diesen Themen mehr Wettbewerbsvorteile versprochen haben. Nun sehen wir, dass diese „heißen Themen“ im Laufe der Pandemie nicht mehr so hoch priorisiert sind.

Der neue, hohe Stellenwert von BI lässt sich leicht erklären. Seit Beginn der Pandemie steht das Bedürfnis nach Transparenz klar im Vordergrund. Denn die Welt stand und steht vor einer nie da gewesenen Situation. An allen Ecken und Enden müssen Unternehmen herausfinden, wo man derzeit steht – was passiert mit Lieferketten, Kunden oder Mitarbeiter:innen?

Weniger überraschend ist, dass die Einführung von Cloud-Anwendungen auf Platz 2 des Investitionsrankings steht. Die Migration in die Cloud ist derzeit im Allgemeinen ein großer Trend, der durch Covid – die Arbeit von Zuhause und dem daraus resultierenden Bedarf, von überall auf Daten zugreifen zu können – stark beschleunigt wurde. 

Wie stellen sich Data- und Analytics-Bereiche in den kommenden 12 Monaten auf?

Carsten Bange: Der Blick in die Zukunft zeigt, dass die derzeitige Entwicklung nicht abreißt. 76 % der Befragten sagten uns, dass sie ihre BI-Initiativen weiter ausbauen werden. BI gilt nun wieder stärker als strategische Fähigkeit und wird weiter ausgebaut.

Doch auch die heißen Pre-Covid-Themen feiern ein Comeback. Advanced Analytics und AI kommen zurück. Drei von fünf der Befragten erwarten eine Zunahme der Initiativen in diesem Bereich. Zusammenfassend kann man sagen: BI ist zurück und KI musste kurz verschnaufen.

Schon vor der Krise war Planning und Forecasting eines der größeren Investitionsthemen. Doch in der Pandemie gab es quasi kein Unternehmen, dessen Plan gestimmt hat. Alle Unternehmen mussten neu planen und durch die hohe Unsicherheit erhöht sich die Zahl an Forecasting-Zyklen.

Data- und Analytics-Abteilungen erwarten ebenso erhöhte Investitionen in den Bereichen Cloud und Data Governance.

2020 hat BARC bereits einen COVID Survey veröffentlicht. Im April & Mai 2020 fühlten sich 38 % der befragten Unternehmen gut auf die Pandemie vorbereitet. 2021 waren nur noch 27 % der Meinung. Was ist passiert?

Carsten Bange: Je länger die Pandemie gedauert hat, desto stärker haben Data- und Analytics-Abteilungen realisiert, wie gut sie wirklich aufgestellt waren für die zahlreichen Herausforderungen. Zudem war im Frühling 2020 nicht klar, wie lange sich die Krisensituation hält.

Es gab sicherlich auch gewisse Defizite, die am Anfang der Pandemie noch nicht so klar herausgestochen haben – wie beispielsweise eine unzureichende Datenqualität.

Genau. In der Studie 2020 wurde gefragt, welche Initiativen Data- und Analytics-Bereichen in der Pandemie geholfen hätten – hier ragte keine Maßnahme heraus. 2021 sticht bei dieser Frage klar die Datenqualität hervor.

Carsten Bange: Fast ein Drittel der Befragten sagten, dass eine bessere Datenqualität ihnen während der Pandemie geholfen hätte. Zu Beginn der Pandemie ging es darum, schnell zu reagieren und man musste wahrscheinlich viele Dinge ad-hoc lösen. Mit dem längeren Verlauf der Pandemie zeigten sich bei Unternehmen die Probleme in den Daten wahrscheinlich immer deutlicher.

Der BARC COVID Survey 21 gibt einen ersten Einblick in das „New Normal“ von Unternehmen – wie sehr ist Covid auch ein unfreiwilliger Digitalisierungstreiber?

Carsten Bange: Aus Sicht der Unternehmen hat die Pandemie die datengesteuerte Entscheidungsfindung deutlich gestärkt. Bereits heute sehen unsere befragten Fachkräfte einen Zuwachs von 12 % hin zu mehr datengestützten Entscheidungen. Für die Zeit nach der Pandemie erwarten sie sogar, dass der Grad datengestützter Entscheidungen in ihrem Unternehmen im Durchschnitt 24 % zunehmen wird.

 

Das Interview ist zuerst im neuen BARC Guide Data, BI & Analytics 2022 und auf bi-scout.com erschienen.