10. Mai 2007
Alter: 5 Jahre
Kategorie: Data Warehousing, Business Intelligence
Nach dem Kauf von Hyperion durch Oracle und von Cartesis durch Business Objects kommt es innerhalb von drei Monaten zu einer weiteren Übernahme durch einen großen Softwareanbieter auf dem Business-Intelligence-Markt. Zudem ist es die mittlerweile dritte Übernahme eines Anbieters für Planungs- und Konsolidierungssoftware in kurzer Zeit. Die SAP hat am 08.05.2007 die Absicht bekannt gegeben, den Business-Intelligence-Anbieter OutlookSoft zu übernehmen (siehe http://www.sap.com/company/press/press.epx?PressID=7671). Im Vergleich zur Übernahme von Hyperion durch Oracle (3,3 Mrd. US-Dollar) ist der Kauf von OutlookSoft mit einem geschätzten Volumen von 200 bis 300 Mio. US-Dollar jedoch deutlich kleiner und bewegt sich somit in einer Größenordnung, die Business Objects für Cartesis gezahlt hat (ca. 300 Mio. US-Dollar).
Die Übernahme scheint nun auch endgültig eine Abkehr der SAP von der Strategie darzustellen, sämtliche Produkte selbst zu entwickeln. Nach dem Kauf des Softwareanbieters Pilot im Februar 2007 ist dies schon die zweite Übernahme von SAP im Business-Intelligence-Markt. Die eigentliche Absicht des Kaufs bleibt jedoch offen. OutlookSoft hat weder eine besondere Marktstellung, die den Kauf begründen könnte, noch existiert derzeit eine technische Verbindung zwischen SAP und OutlookSoft.
SAP ist 1999 mit der eigenen Lösung SEM BPS auf den Markt für Planungssoftware eingetreten und hat 2006 die Neuentwicklung BI Integrated Planning als Nachfolgelösung positioniert. Mit SEM BCS verfügt SAP über eine Lösung für die Konzernkonsolidierung. Beide Anwendungen basieren auf dem SAP Business Warehouse als Datenhaltungskomponente. Planung und Konsolidierung adressiert auch das 1999 von ehemaligen Hyperion-Mitarbeitern gegründete Unternehmen OutlookSoft mit seiner derzeitigen Lösung OutlookSoft 5. SAP hat nach einer Übernahme von OutlookSoft somit eindeutige Überschneidungen im Produktportfolio. Die Frage nach einer zukünftigen Integration von OutlookSoft und welche Komponenten überleben werden ist noch völlig offen. Nach der bisherigen Arbeit in die Entwicklung der SAP-Komponenten insbesondere für die Planung überrascht die Übernahme von OutlookSoft aber doch und lässt natürlich auch die Frage offen, für wie leistungsfähig die SAP selbst ihre bislang angebotenen Werkzeuge beurteilt.
Die Komponenten von SAP nutzen für die Datenhaltung SAP BW, OutlookSoft dagegen verwendet Datenbanktechnologie von Microsoft oder Oracle. Sollte eine Schnittstelle zum SAP BW realisiert und OutlookSoft 5 als reines Frontendwerkzeug integriert werden, würde die Komplexität von SAP BW erhalten bleiben und keine wesentliche Verbesserung im Gesamtsystem erreicht werden. In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Lösungen deutlich.
Falls jedoch SAP dazu übergehen sollte, mit OutlookSoft auf eine OLAP-Datenbank (z.B. Microsoft Analysis Services) außerhalb von SAP BW zuzugreifen und hierfür die Daten aus dem BW zu übernehmen, hätte dies eine andere Dimension. Das SAP Business Warehouse würde dann so nicht mehr in seiner geschlossenen Form existieren, sondern müsste mit einer externen, ergänzenden multidimensionalen Datenbank synchronisiert werden. Diese hybride OLAP-Architektur ist in Data-Warehouse-Systemen lange etabliert, wäre für die SAP aber ein starker Bruch ihrer momentanen Architektur. In diesem Falle stellt sich aber die Frage, wie mit den eigenen Reporting-Frontends verfahren wird, die derzeit auf BW aufsetzen und nur eingeschränkt kompatibel wären. Würde SAP vielleicht noch nach einem großen und etablierten BI-Anbieter greifen, um auch hier die Schwächen auszumerzen?
Die Übernahme zeigt insgesamt auch, dass es für Anbieter mit einer stark Microsoft-orientierten Strategie, wie sie OutlookSoft verfolgt hat, zunehmend schwieriger wird, sich am Markt zu behaupten. Mit dem geplanten Einstieg von Microsoft in den Markt für Finanzanwendungen wird die Luft für Anbieter dünner, die sich auf Microsoft-Basistechnologie positionieren. Bevor das Geschäft abnimmt, wird in diesem Fall lieber der Verkauf der Firma vorgenommen. Es gibt noch eine Reihe von weiteren Anbietern, die eine ähnliche Strategie wie OutlookSoft haben und durch die Entwicklung von Microsoft vermutlich in starke Bedrängnis kommen werden. Panorama ist das beste Beispiel.
Wir empfehlen insbesondere Unternehmen, die ihr SAP BW um Planungs- und Konsolidierungslösungen ergänzen wollen, eine Roadmap der SAP für eine Produktstrategie und –integration in diesem Bereich abzuwarten.