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Leonardo ergänzt das Advanced-Analytics-Angebot der SAP

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17.07.2017

Leonardo ergänzt das Advanced-Analytics-Angebot der SAP

Mit Leonardo bezeichnet SAP neue Entwicklungsumgebungen, vorgefertigte Komponenten und Lösungen sowie Servicedienstleistungen zur Erstellung moderner Softwarelösungen. Insbesondere IoT-Anwendungen und Lösungen, die Machine-Learning-Verfahren nutzen, stehen hierbei momentan im Fokus. Leonardo Softwarebausteine auf Basis von Services für Datenmanagement, Advanced Analytics und Blockchain sowie die damit entwickelten IoT- und Machine-Learning-Anwendungen stehen ausschließlich auf der SAP Cloud Plattform zur Verfügung. 

Damit gibt es neben der voranschreitenden Integration von Advanced-Analytics-Funktionalität in operativen Systemen nun die dritte größere Umgebung, in der Advanced Analytics in Form von Machine Learning von der SAP angeboten wird:

  1. Die HANA Analytics Library (HAL) stellt Algorithmen/Prozeduren in der Datenbank für Entwickler von HANA-basierten Applikationen bereit. Diese Bibliothek ist ein Teil der Basisfunktionalität der Datenbank HANA wird jedoch von SAP selbst kaum noch in den Vordergrund gestellt. Inwieweit die Bibliothek demnach noch ausgebaut wird, bleibt zu beobachten. 
  2. Seit dem Zukauf des französischen Advanced-Analytics-Spezialisten KXEN ist eine Advanced-Analytics-Plattform im Portfolio, die momentan unter dem Namen „Predictive Analytics“ angeboten wird. Zielgruppe ist hier zunächst der Data Scientist, wobei ein „Automated Mode“ als Besonderheit der Lösung auch einen weitgehend autonomen Aufbau von Modellen vornehmen kann und so den Fachanwender im Visier hat. Predictive Analytics wurde bisher mit Lumira als Frontend gebündelt, fehlt aber im neuen Lumira 2.0 Release, das im August allgemein verfügbar werden soll. Es ist dennoch das Hauptprodukt der SAP für Advanced Analytics auf strukturierten Daten. Als SAP Cloud Platform Service gibt es “Predictive Analytics Integrator Services” zur Integration von Modellen in Cloud-Applikationen. Für Ende des Jahres 2017 ist eine neue Version von Predictive Analytics angekündigt worden und strategisch soll neben BI und Planung auch Predictive Analytics eine größere Rolle im neuen und zukunftsweisenden SaaS-BI-Produkt „SAP Cloud Analytics“ spielen. 
  3. „SAP Leonardo Machine Learning Foundation“ ergänzt das bestehende Portfolio nun primär um Methoden, die auf unstrukturierte Daten angewendet werden, insbesondere auf Text und Bilddaten. Themenerkennung, Text- und Bild-Klassifikation sowie Feature-Extraktion aus Texten und Bildern stehen im aktuellen Release zur Verfügung, im Alpha Entwicklungsstadium sind Fähigkeiten wie maschinelle Übersetzung oder Gesichtserkennung. 
     

Abbildung 1: Leonardo Machine Learning bietet Zugriff auf vortrainierte Modelle über REST APIs

SAP stellt diese Möglichkeiten nicht selbst zur Verfügung, sondern ist eine strategische Partnerschaft mit Google eingegangen. So nutzt auch SAP für die Machine Learning Foundation das von Google Open Source gestellte und populäre Deep Learning Framework TensorFlow, das von Google auf optimierter Hardware als Cloud-Service angeboten wird. Leonardo selbst wird als „Regenschirm“ bezeichnet, der zahlreiche Bausteine zur Anwendungsentwicklung aufnimmt und somit auch die zukünftige Heimat aller Advanced-Analytics-/Machine-Learning-Fähigkeiten der SAP sein soll. 

Fazit

Leonardo ist SAP‘s Versuch, anderen Anbietern wie IBM mit Watson oder Microsoft mit Azure eine Cloud-Plattform mit Advanced-Analytics-Algorithmen und -Fähigkeiten entgegenzusetzen. Doch der Zug im Bereich Machine Learning für eine Differenzierung über die algorithmischen Fähigkeiten oder Entwicklungsframeworks ist abgefahren, hier wird die SAP nicht mehr aufholen. Die Kooperation mit Google Tensorflow ist folgerichtig und die Unterstützung weiterer Open-Source-Standards wie R oder Python wäre sinnvoll. Innovation und Wettbewerbsdifferenzierung müssen über die Anwendungen kommen, die auf Basis solcher Algorithmen in der Leonardo Umgebung bereitgestellt oder entwickelt werden. Hier kann die SAP mit Branchen Know-how Punkten, das natürlich auch auf die Straße gebracht werden muss. Ebenfalls offen ist die Frage der Integration mit der Vielzahl der bestehenden auch nicht Cloud basierten SAP-Applikationen, die sich im Rahmen der Operationalisierung vieler in Leonardo entwickelter Anwendungen stellen wird. 

Es gibt also noch einiges zu tun bis zur vollständigen Umsetzung der Vision von Leonardo als Innovationstreiber für die SAP und ihre Kunden.
 

Lesen Sie auch den Blog Post unserer Kollegen zum Thema SAP Leonardo: lots of potential but still a work in progress.