Business Application Research Center

Experten für Business Intelligence, Analytics, Big Data, CRM und ECM

BARC-Newsletter

Inforum 2017: Erster gemeinsamer Auftritt von Infor und BIRST

RssRss

02.08.2017

Inforum 2017: Erster gemeinsamer Auftritt von Infor und BIRST

Der branchenorientierte Business-Software-Lieferant trennt mit Zukauf von BIRST zukünftig das eigene Portfolio in BI- und Planungskomponenten. Auf der Kundenkonferenz Inforum 2017, die vom 10. bis 13. Juli in New York stattfand, stellte der Hersteller seine aktuelle Unternehmensvision und -strategie vor.

Infor ist ein weltweit agierendes Unternehmen mit einer Vielzahl an Produkten, bestehend aus diversen operativen Systemen. Diese stehen auch weiterhin im Mittelpunkt der Weiterentwicklung des Herstellers, der an deren Modernisierung für die Cloud und Auslieferung als branchenorientierte Pakete (CloudSuite) arbeitet. Des Weiteren investiert Infor stark in die Vernetzung der Systeme über die Supply Chains hinweg, die u. a. auf der eigenen ION-Technologie fußt. ION ist ein Middleware-Layer für die Verbindung der eigenen Systeme über eine einheitliche Metadatenebene. Diese Schicht soll die Daten der Infor-Vorsysteme, bald auch Event-basiert, zur Verfügung stellen.

Als neue strategische Ergänzung der eigenen operativen Systeme wurde Coleman vorgestellt. Es ist eine Sammlung von branchenfokussierten Machine-Learning-Algorithmen, die Endanwender der operativen Systeme bei ihren täglichen Aufgaben mit Analytik unterstützen sollen. Geplante Verwendungszwecke sind weit gestreut – von Bedarfsvorhersage bis hin zu Preisoptimierung. Coleman kann man sich aus Kommunikations- bzw. Endanwendersicht als Alexa oder Siri von Infor vorstellen. Der Endanwender kommuniziert entweder durch Sprach- oder Eingabebefehle mit den statistischen Services, die die Anfragen verarbeiten. Dabei soll Coleman im Gegensatz zu den bereits umgesetzten Data-Science-Applikationen direkt mit ION statt den Vorsystemen kommunizieren, um aus der Vielzahl der Daten lernen zu können. Die Vision von Infor ist, dass AI (Artificial Intelligence) zukünftig die UI (grafische Benutzeroberfläche) darstellt.

Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern im BI-Umfeld will sich Infor zukünftig aber nicht als Advanced-Analytics-Anbieter positionieren. Coleman soll nur den eigenen operativen Systemen dienen und Kunden im Geschäftsprozess mit Analytik unterstützen. 

Im BI- und Analytics-Umfeld hat Infor bereits Anfang 2017 angekündigt BIRST zu übernehmen und schloss die Übernahme schließlich Mitte 2017 ab. Vor der Akquisition hat Infor die bereits in den 90er Jahren akquirierten MIS-Produkte platziert. Infor BI ist ein insbesondere Controller stark fokussierendes Produkt, welches die Erstellung flexibler Planungs- und BI-Applikationen ermöglicht. Den Anwendern stehen zwei Clients (Excel und Full-Client für Applikationserstellung) sowie eine weitere Web-Komponente für Dashboards zur Verfügung. Infor BI liefert mit der Lösung auch eine multidimensionale (OLAP) Datenbank, die die flexible Verrechnung zwischen den einzelnen Würfeln/Cubes erlaubt. Da der Fokus von Infor BI nicht auf druckorientiertem Reporting lag, hat Infor das eigene Portfolio mit Cognos Report Studio ergänzt und dies unter dem Namen Infor Reporting vertrieben.

BIRST ist eine BI-Suite mit einer sehr interessanten semantischen Schicht, die der Hersteller selbst als „networked semantic model“ bezeichnet. BIRST besteht im Frontend aus Reporting-Komponenten für druckorientiertes Reporting, Dashboarding sowie auch Ad-hoc-Analyse bzw. Data Discovery, was als letzte Komponente hinzugekommen ist. Die definitiv interessanteste Komponente ist die semantische Schicht, welche die BIRST-Gründer konzipiert haben. Diese kommen ursprünglich von Siebel, dem Produkt auf dem die heutige Oracle BI Suite basiert. BIRST hat seine Schicht ähnlich umgesetzt, jedoch sich auf die Schnürung von Datenpaketen, deren verteilte Nutzung über ein Unternehmen hinweg sowie die Nutzung moderner hybrider Cloud-orientierter Architektur, fokussiert.

Hauptziel, welches Infor mit BIRST verfolgt, ist die Lieferung einer Software, die den Infor-Kunden systemübergreifende Auswertungen und Analysen basierend auf einer einheitlichen semantischen Schicht ermöglicht. Je nach Kunde war das Berichtswesen auch durch Nutzung von OEM-Produkten wie Cognos in mehreren Systemen verteilt. Infor will nun die Stärke von BIRST zum Zugriff auf eine Vielzahl von Datenquellen und deren fachliche Verschmelzung in der semantischen Schicht nutzen. Damit bekommen Kunden eine systemübergreifende einheitliche Schicht, die die Kennzahlen sowie Dimensionen bündelt und für Fachanwender in eine verständliche Sprache übersetzt. Des Weiteren profitiert Infor von einem Reporting-Produkt für die Kunden. BIRST wird zukünftig in vielen CloudSuite-Paketen für BI und Analytics ausgeliefert und soll u. a. Coleman-Ergebnisse in operativen Systemen visualisieren.

Infor BI wird seit dem Kauf von BIRST als Planungsprodukt positioniert. BIRST wird um die Verbindung zum Infor OLAP Server als Datenquelle erweitert. Diese Integration auf Datenebene soll bereits im September verfügbar sein. Damit die Anbindung in angemessener Qualität geliefert wird, soll das Infor OLAP Server-Team BIRST bei der Erweiterung der eigenen semantischen Schicht unterstützen. Für den Endanwender wird ferner die Verbindung beider Tools über das eigene Collaboration-Portal Ming.le forciert. Hier ist Infor BI für die Publikation der Planungsinhalte bereits integriert, BIRST soll nun folgen. Ming.le wird damit zum zentralen Einstiegspunkt für die Anwender, die daraus in die verschiedenen Systeme verzweigen.

Interessant an der BI- und Analytics-Strategie insgesamt ist, dass im Gegensatz zur Konkurrenz Infor dem Trend „ein integriertes Werkzeug für BI und Planung“ nicht weiter nachzugehen scheint und stattdessen Planung und BI im eigenen Portfolio trennt, wie es die Wettbewerber bereits vor Jahren aufgrund von Zukäufen getätigt haben. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Trennung von einer guten Anbindung von Infor BI an BIRST aufgefangen werden kann, um das Wichtigste in den Mittelpunkt zu rücken: Die Daten und deren Nutzung zur verbesserten Entscheidungsunterstützung für die Anwender.